A l l e g r o c o n b r i o
wird heute ausnahmslos interpretiert im Sinne von sehr schnell, zügig vorwärts treibend.
Dem steht entgegen, was im Koch'schen Musiklexikon (1802) über "Allegro" zu lesen steht:
Allegro: hurtig ist eine Überschrift solcher Tonstücke,
die in einem mäßig geschwinden Zeitmaße vorgetragen werden sollen.
Ähnliches findet man in allen theoretisches Schriften der damaligen Zeit und selbst
Beethoven übersetzt dieses Wort im letzten Satz seiner Sonate op.101 in gleichem Sinne:
Allegro, geschwinde, doch nicht zu sehr.
Carl Czerny, Beethovens Klavierschüler, gibt in seiner Klavierschule eine ganze Skala an Möglichkeiten:
Der Charakter eines Tonstückes, welches mit Allegro bezeichnet ist, kann sehr verschiedenartig sein:
a)
Ruhig, sanft und einschmeichelnd
b)
Tiefsinnig oder schwärmerisch
c)
Schwermüthig oder harmonisch verwickelt
d)
Majestätisch, großartig und erhaben
e)
Brillant, jedoch ohne Anspruch auf allzugroße Bewegung der Geläufigkeit
f)
Leicht, munter und scherzend,
g)
rasch und entschieden
h)
Leidenschaftlich bewegt, oder fantastisch und launig
i)
stürmisch schnell, im ernsten wie im fröhlichen Sinn
k)
sehr wild, aufgeregt und ausgelassen, oder furios
Schließlich bezieht sich Bezeichnung con brio weniger auf das Tempo als auf
den Charakter eines Stückes, wie in Dusseks Klavierschule 1797 zu lesen
steht: con brio, con fuoco, mit Lebhaftigkeit und mit Feuer - sind durch sich
selbst erklärt und beziehen sich mehr auf Verstärkung des Ausdrucks
als der Bewegung z.B. A l l e g r o c o n b r i o.
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