PRAXISTEST:
MM - wer oder was tickt hier richtig?
ERSTENS:
die überlieferten Metronomangaben sind äußerst schnell und werden erst in jüngster Zeit erreicht.
ZWEITENS:
Allegro = hurtig, ist eine Überschrift solcher Tonstücke, die in einem mäßig geschwinden Zeitmaße
vorgetragen werden sollen. (nach dem Koch’schen Musiklexikon 1802). Franz Liszt brauchte für die
Hammerklaviersonate von Beethoven fast eine Stunde (lt.eigener Aussage), während Pianisten
nach MM-Angaben dies in 36 Minuten schaffen.
WIE PASST DAS ZUSAMMEN?
W.R. Talsma bietet in seinem Buch “Wiedergeburt der KLassiker, Entmechanisierung der Musik”
ein verblüffende Erklärung: Wir lesen die Metronomangaben falsch! Die Römer zählten links-rechts als
einen passus, der Physiker spricht bei der Sinuskurve (auf und ab) von einer Kurve. So wurde die Bewegung des
Metronom (hin und her) als eine Einheit aufgefaßt. Halbe Note MM=88 heißt dann für jede Halbe eine Vollschwingung,
die einzelnen Ticks deuten die Viertel an, das erste im Charakter schwer, das zweite leicht.
Nach Carl Czerny haben die Wiener um 1832 den Walzer (mit allen Figuren und Schritten!) im Tempo: Ganztakt MM=88 getanzt
bitteschön: ...kann das sein? Gerechnet in Vollschwingung (etwas schneller) klingt das so:
Kann man wirklich allen Ernstes glauben, Czerny habe seinen Schülern (von Anfang an) abverlangt
seine Etüden in folgendem Tempo täglich 1 Stunde durchzuüben? (digitale Aufnahme)
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